Presse-Echo 3 : Felix Röttger in der SüDWEST PRESSE

Hier einige Zitate aus der Kritik…:

Heitere Erweckung

Vier Mütter mit unterschiedlichem Charakter raufen sich in der Komödie „Molly Eyre“ von Tamsin Kate Walker zusammen, um für einen ungenutzten Raum im Kindergarten eine sinnvolle Verwendung zu finden.

Im Mittelpunkt stehen die Bemühungen des Quartetts, möglichst mit- ansonsten gerne gegeneinander – einen Selbstverwirklichungstrip durchzusetzen. Die so unglaublich souverän im Stewardess-blauen Kostüm und High Heels auftretende Celesta argumentiert knallhart und schlägt einen Tanzraum vor. Dagegen bevorzugt die spontane und gefühlsbetont agierende Ranga einen Kinoraum. Besser fädelt Uta Treff die Entscheidung ein, denn als freiberuflich tätige Yogalehrerin kann sie sich fast uneigennützig für einen ordentlichen Teilnehmerbetrag der anderen Mütter am besten einen Raum für Kinderyoga und Meditation vorstellen. Ein erster Disput entzündet sich an der Frage, in welcher Farbe die Wände gestrichen werden sollen.

Vollkommen egal ist dagegen der übellaunigen Molly Eyre (ganz in Schwarz: Edith Abels), was aus dem noch schwarzen und fast leeren Raum wird.

Den beginnenden Zickenkrieg von Ranga, verkörpert von Anne Simmering, der berechnenden „Vorturnerin“ Anna Sjöström als Uta und der so erschreckend effizienten Christina Theresa Motsch als Celesta hält Molly heimlich in ihrem Notizbuch fest und sieht plötzlich den Stoff für ein neues Theaterstück.

Die Autorin Tamsin Kate Walker lässt den Zuschauer im doppelten Sinne an der Entstehung des Theaterstücks teilhaben, indem sie Molly Eyre als Hommage an Molière ins Stück einführt, der seinerseits Schauspieler war und erst 1658 mit dem Schreiben begann. Aus dem eingebildeten Kranken Argan wird die rastalockige Ranga, aus dem Betrüger Tartuffe die flippige Yogalehrerin Uta Treff und aus dem kompromisslosen Idealisten Alceste die souverän analysierende Rechtsanwältin Celesta.

Was diese Aufführung so sehenswert macht, ist die Spiel- und Bewegungsfreude des Damen-Quartetts, die eine physische Gegenwart ihrer männlichen Pendants oder des gemeinsamen Nachwuchses überflüssig werden lässt. Kopfüber turnt Uta an der Deckenbeleuchtung und Ranga umkurvt auf Rollschuhen die Bühne und fällt – wie im richtigen Leben – immer wieder auf die Nase. Zur rechten Zeit führt die Regie eine männliche Stimme mit dem schottischen Gitarristen Mike Scott ein, der in der Schlussszene singt: „What do you want me to do?“. Autorin und Regisseur scheinen sich bei dieser Würzburger Uraufführung dagegen nahezu blind zu verstehen, denn beide wissen – mit jeweils fünf Kindern gesegnet -, was täglich mütterlicherseits in Kitas so abgeht. Im Gegensatz zu Molières Reduzierung der Hauptfiguren auf eine wesentliche Charaktereigenschaft bietet „Molly Eyre“ heitere Erweckungserlebnisse für die Protagonisten. Richtig sympathisch kommt zum Schluss die spröde Celesta daher, als sie sich zu ihrer Zuneigung zu Molly bekennen darf und – oh Wunder – richtige Gefühlsausbrüche zulässt. Molly wiederum fühlt sich wie befreit und zum weiteren Schreiben ermutigt, nachdem Ranga zufällig ihre heimlichen Aufzeichnungen der Gespräche entdeckt hat. Entlarvt wird auch Utas angeblich so konsequente „biodynamische“ Lebensweise und Ranga, „echt“ verpflastert nach ihren Stürzen, fürchtet sich nicht mehr vor eingebildeten Krankheiten. Bestens unterhalten und heiter zeigte sich ein begeistertes Premierenpublikum, das nicht mit heftigem Applaus geizte.

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Über Jürgen R. Weber

Jürgen R. Weber wurde in Hamburg geboren und wollte in jungen Jahren Heldentenor werden. Da er aber Bariton und zudem sängerisch unglaublich unbegabt war, studierte er bei Götz Friedrich Musiktheater-Regie. Nachdem er das Studium mit einer etwas exzentrischen, eigenen Fassung von “Die lustige Witwe” abgeschlossen hatte, komponierte er Musik für Werbefilme (”Tesakrepp Fensterdicht”). Für eine freie Gruppe schrieb und inszenierte er die Biopera “Die Rose des Himmels” über das Leben von Claudio Monteverdi. Dann wandte er sich dem Fernsehen zu um dort keine Opern sondern Seifenopern wie “GZSZ” und “Sturm der Liebe” zu spielleitern. Verschiedenen Arztserien diente er als Regisseur und Autor und auch das Serienentwickeln, (”Verliebt in Berlin”), konnte er nicht lassen. Daneben frönte er auch dem pädagogischen Eros und war u.a. Dozent für Regie an der Universität der Künste Berlin. Nach verschiedenen Kinderserien (”Die Graslöwen”, “Siebenstein”, “Löwenzahn reloaded”) zog es ihn schließlich wieder unbarmherzig zum Musiktheater und er inszenierte in Erfurt “Die Leiche im Sack”, in Leipzig “Der Graf von Luxemburg” und in Chemnitz die „Rose vom Liebesgarten“.Er inszenierte „Robin Hood“ in Erfurt „Die Lustige Witwe“ in Würzburg und „Swanhunter“ in Chemnitz. 2013 übernahm er bei der erfolgreichen Uraufführung von "MOLLY EYRE", von Tamsin Kate Walker die Regie und Ausstattung. Er arbeitet an der Musik und dem Libretto der Musicals "OKTOBERFEST" und "4Groschenoper". Außerdem schreibt und komponiert er regelmäßig für seine Zombie-Oper "WTF or a male feminists rape fantasy", vom dem Teile im September 2012 im Ballhaus Rixdorf in Berlin aufgeführt wurden. Bei der Inszenierung von DER TRAUM EIN LEBEN 2014 an der Oper Bonn war er nicht für die Regie verantwortlich, sondern übernahm auch die Rolle des "Mannes vom Felsen". Danach inszenierte er dort DIE WINTERREISE und HOLOFERNES. In Oldenburg inszenierte er HERCULES. Dabei übernahm Jürgen auch Bühnenbild und Kostüme. 2017 inszeniert er bei den Domstufenfestspielen Erfurt IL TROVATORE von Giuseppe Verdi. 2018 wird er die von ihm und Charles Hart geschriebene Oper MARX IN LONDON in Bonn inszenieren.
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